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Zuhause bei Anselm Grün

Der wohl bekannteste deutsche Mönch kann uns zum Nachdenken anregen und dazu, unsere Welt auf eine ganz neue Art zu sehen. Gespräche, Seminare und ein Besuch bei ihm laden ein.
Anselm Grün
Bild einer persönlichen Begegnung mit Anselm Grün in Düren

Der wohl bekannteste deutsche Mönch kann uns zum Nachdenken anregen und dazu, unsere Welt auf eine ganz neue Art zu sehen. Gespräche, Seminare und ein Besuch bei ihm laden ein.


Zuhause bei Anselm Grün

Das Zuhause von Anselm Grün, geboren 1495 als Walter Grün, ist die Abtei Münsterschwarzach in Bayern. Dort ist er ein ganz normaler Mönch und fällt auch kaum auf. Er ist einer von ca. 130 Brüdern, mit denen man größtenteils ganz leicht und angenehm ins Gespräch kommen kann. Die Abtei ist beeindruckend gewachsen in den letzten gut einhundert Jahren. Vor der Kirche mit den charakteristischen vier Türmen steht ein Modell der Entwicklung der gigantischen Anlage mit ihren 20 Betrieben. Der äußere Ring dient den Gewerbebetrieben wie vor allem dem Vier Türme Verlag, dem Kaffeegeschäft oder den Fair Trade Waren. Weiter innen ist der geschützte Bereich für die Gäste des Klosters, der einfach aber sehr hochwertig und gepflegt eingerichtet ist. Dahinter folgt der Rückzugsbereich der Mönche, der nach außen recht gut abgeschirmt ist, aber den man auch an den möglichen Lücken sicherlich respektvoll ausblendet.

Wer ist Anselm Grün?

Darauf möchte ich eine persönliche Antwort geben. Mir persönlich hat er viel gegeben und das wirkt nach wie vor. Es war lange mein Wunsch, ihm zu begegnen und danach beherrschte mich der Gedanke, das Kloster zu besuchen, in dem er wirkt. In meinen Augen ist er ein Mann mit einer Bescheidenheit und Natürlichkeit, die nicht nötig wäre. Das beeindruckt mich wohl am meisten und fasziniert mich regelrecht.

Der Autor von über 300 Büchern, gefeierte Redner und häufige Talkshowgast, ehemalige Cellerar seines Klosters, Theologe und Betriebswirtschaftler, hätte den weltlichen Erfolg nutzen können und ein Leben ohne Bescheidenheit zu wählen, das wahrscheinlich sorgenfrei wäre.

Warum zieht man die Einsamkeit des Klosterlebens vor, wenn man doch so viel mehr haben kann? Warum ist man mit einem kleinen starken Kaffee und Keksen zufrieden, wenn man fürstliche Bewirtung erhalten kann? Weswegen fährt man selbst weite Strecken alleine mit einem Navi, wenngleich man einen Fahrdienst in Anspruch nehmen kann – und das auch noch mit 72 Jahren? Dies sind einige der Fragen, die man sich stellen kann und auf die ich in mir vielleicht einige kleine Antworten gefunden habe.

Warum mag ein Mensch in dieser Art leben?

In Gesprächen mit ihm, anderen Mönchen in Münsterschwarzach und einfach in mir selbst kam ich für mich zu einigen Antworten, die für mich stimmig sind.

Es mag ihm nicht wichtig sein, was er finanziell erreichen kann. Wir nehmen unsere Außenwelt wohl oftmals zu wichtig und messen unseren beruflichen Erfolg in dem, was wir für uns erreichen. Das ist sicherlich zutiefst asozial (ungemeinschaftlich). Ein Wirken für die Gemeinschaft (oder eine Klostergemeinschaft) ist dabei viel wertvoller, denn man sorgt sich um eine Sache, die eine eigene Größe übersteigt. Dies ist sicherlich erfüllender, als sich nur um den Mammon zum Selbstzweck zu sorgen.

Die sorgsam und liebevoll gepflegte und geführte Abtei Münsterschwarzach zeigt eine innere Ruhe und Natürlichkeit, aus der heraus man die Personen und Persönlichkeiten des Klosters noch besser versteht. Man arbeitet nachhaltig, beständig, freundlich, liebenswert und offenen Herzens. Niemand hier arbeitet für sich und seinen eigenen Erfolg, sondern für das, was allen wichtig ist. Dies wird durch die bekannteste Persönlichkeit erst außen wahrgenommen. Dabei leben auch die anderen Mönche auf diese Art und tragen ihren Teil zur gesamten großen Sache bei. Jeder so, wie es ihm möglich ist.

Warum wird man Mönch?

Bei Anselm Grün ist die Entscheidung früh gefallen. Er ist wohl kurz nach dem Abitur ins Kloster eingetreten und hat scheinbar die für ihn richtige Wahl getroffen. Andere Mönche kamen erst später im Leben dazu, diesen Weg zu gehen. Einige davon haben mir erzählt, dass sie aus unterschiedlichen Gründen nicht im anderen Leben zurechtkamen und sich hier gefunden haben. Das Leben und sich nicht zu wichtig zu nehmen ist sicherlich eine Basis des Lebens als Mönch. Man möchte feste Regeln, eine liebevolle Gemeinschaft und ein aufrichtiges Miteinander. Schade, dass wir davon nicht viel mehr in unser normales persönliches Leben integrieren können. Ob das so normal ist, was wir leben?

Wie empfinde ich?

Persönlich sehe ich mich einerseits als Atheist, auf der anderen Seite empfinde ich mich mit dem Glauben zutiefst verbunden und bin neugierig darauf. In meiner Wahrnehmung geht es vielen Menschen so, sie geben es nur oft nicht zu. Manchmal fühlt man sich verlassen von Menschen, Gott und Glauben und genau dann erhalten wir die tiefsten Verbindungen im Inneren zu Spiritualität und Glauben und suchen wieder danach. Wenn ich mich schlecht fühle, dann bin ich ebenso dem Glauben verbunden wie dann, wenn es mir sehr gut geht. Bei schlechten Gefühlen geht es mir um Verzweiflung und die innere sowie göttliche / spirituelle Suche nach Hilfe, bei guten fühle ich große Dankbarkeit und eine ebensolche Verbundenheit mit allem was ist.

Welcher Glaube ist richtig?

Für mich ist der Glaube nichts, was eine so einfache Antwort haben kann. Dies ist die Grundlage dafür, dass die wahre Antwort ganz simpel ist. Es geht nicht darum, ob Du Christ, Jude, Buddhist, Taoist, Hindu oder Moslem bist, sondern darum, Dich zu öffnen und zu verbinden. Wir alle sind eins, Liebe ist die stärkste Kraft in uns und alles Göttliche ist in uns allen wiedergeboren. Wir alle haben eine solche Überzeugung in uns. Es wäre doch schön, wenn nicht unsere Steuerbescheide oder Symbole uns trennen würden, sondern wir die Zeichen des Glaubens als Kennzeichen der allumfassenden Verbundenheit sehen können. Wir alle brauchen Zuspruch und Aufmerksamkeit, Beratung, Begleitung und Zuwendung in schwachen Momenten und teilen unser Glück gerne in der Gemeinschaft. Nehmen wir uns selbst dadurch wichtiger, uns nicht zu wichtig zu nehmen. Gehen wir aufeinander zu und respektieren wir es, das unser Glaube uns trägt und wir uns zum Träger eines Glaubens machen – wie auch immer er aussehen mag.

Wichtige Fragen sind in meinen Augen:

  • Wer bin ich und was macht mich aus?
  • Womit bin ich wie verbunden?
  • Was macht mich traurig und was glücklich?
  • Was ist wichtiger als meine eigene Existenz?
  • Wohin gehen wir als Gesellschaft?
  • Was sind wirklich lohnende und wichtige Ziele im Leben?
  • Wo bin ich glücklich und wo nicht?
  • Was bedeutet mir etwas im Leben?
  • Bin ich glücklich dort, wo ich lebe?
  • Um was sollte ich mir wirklich Sorgen machen?
  • Warum kümmere ich mich manchmal mehr um andere Menschen als um mich?
  • Was bedeuten mir die Menschen in meiner Nähe und was verbindet mich mit wem?
  • Was verbiete ich mir oder wie verhindere ich meine Entwicklung?
  • Welche Vorstellungen habe ich, die mir nützlich sind oder schaden?
  • Was sind wichtige Eckpfeiler in meinem Leben?
  • Was bedeuten mir Glaube, Sicherheit und innerer Frieden?

Fragen wir uns doch, was für unsere Entwicklung wichtig ist, was und wie wir leben wollen und was wir wirklich erreichen möchten. Stellen wir uns Fragen nach dem Sinn des Lebens oder unserer Anwesenheit auf diesem Planeten. Wir könnten als Gesellschaft so viel mehr erreichen, wenn wir uns weniger um uns selbst sorgen. Dabei ist die aufrechte Sorge um uns selbst eine gute Grundlage, in einer aufrechten und wunderbaren Gemeinschaft zu leben.

Endlich bei mir abgekommen

Mit meinem ersten Buch habe ich gezeigt, warum ich mich auf meinen Weg gemacht habe und dazu lade ich sehr gerne ein. Wir alle dürfen dabei unseren Weg finden und erkennen. Er kann vollkommen anders sein als der Weg anderer Menschen. Wenn wir ihn nicht finden und nicht gehen, werden wir immer unglücklich sein. Das kann nicht das Ziel unseres Lebens sein.

Somit habe ich durch die Begegnungen mit Pater Dr. Anselm Grün, dem Besuch im Kloster Münsterschwarzach und die Begegnung mit dem Glauben und wunderbaren Gesprächen mit vielen anderen wunderbaren Menschen - wie auch Louise Hay -  immer mehr von mir gefunden. Vielleicht habe ich dadurch für mich noch keine feste Antwort, aber ich spüre, dass ich dennoch immer mehr Wahrheit erfahre. Dafür bin ich dankbar und freue mich, ihn noch einmal zu sprechen und das Kloster wiederzusehen, denn beides löst in mir Verbundenheit aus.

Ein Gedanke zu „Zuhause bei Anselm Grün

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