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Was tun bei sexueller Belästigung und wie gehe ich vor? Wen kann ich einweihen und wie wehre ich mich richtig? Was muss ich beachten und was sollte ich besser nicht tun? Ein sensibles Thema …

Was tun bei sexueller Belästigung und wie gehe ich vor? Wen kann ich einweihen und wie wehre ich mich richtig? Was muss ich beachten und was sollte ich besser nicht tun? Ein sensibles Thema …

sexuelle belaestigung


Sexuelle Belästigung

Wann ist etwas eine sexuelle Belästigung? Wann geht es beispielsweise auch um Mobbing? Das ist wichtig und muss geklärt werden. Dabei geht es nicht immer um die juristische Klärung bzw. nicht nur. Wichtig ist es auch, dass man seine Seele gesunden lässt. Wir müssen lernen, wieder frei von Angst zu leben, unseren daraus vielleicht entstandenen Depressionen zu entkommen und brauchen die Chance, das Gespräch auf angemessene Art zu führen.

Oft gestellte Frage: „Wie beweise ich den Vorfall?“

Man muss nicht immer beweisen – aber glaubhaft machen. Das kann schwer sein. Ja und es kann auch retraumatisieren. Wichtig ist aber, dass massive Grenzüberschreitungen auch geahndet werden. Man muss nicht alles im Leben ertragen. Beweise sammeln und Dinge glaubhaft machen ist wichtig. Das vorher zu besprechen und sich klar zu werden ist wichtig – aber noch wichtiger ist es, sich so schnell wie möglich entziehen zu können.

Oft gestellte Frage: „Ist Alkohol strafmildernd?“

Geringfügig – aber wirklich unwesentlich. Das reicht nicht als Entschuldigung. Man darf nicht glauben, dass man durch Alkohol auf einmal alles darf – das ist ganz klar nicht der Fall.

Oft gestellte Frage: „Starren – ist das ein Thema?“

Der Blick ist bestenfalls Grenzfrage – vor allem der flüchtige. Dauerndes Stieren ist einfach nicht okay – egal in welcher Umgebung. Man hat hier das Recht, das Thema anzusprechen.

Oft gestellte Frage: Was hat sich rechtlich geändert?“

Durch die Vorfälle am Kölner Hauptbahnhof an Silvester kommen Dinge wie eine „Sexuell motivierte Berührung“ näher ins Blickfeld der Justiz. Das war vorher nicht so.

Eine Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) aus März 2014 ist allerdings sehr deutlich. Nach Befragung von 42.000 Frauen in 28 EU-Mitgliedsstaaten im Alter zwischen 18 und 74 Jahren, haben 60 % der Frauen mindestens eine Form der sexuellen Belästigung erfahren. Auf nähere Nachfrage um was für Belästigungen es sich dabei gehandelt hatte, wurden neben unerwünschtem Berühren, Umarmen, Küssen, Streicheln oder Anfassen vor allem folgendes angegeben:

  • das Erzählen schmutziger / unangemessener Witze;
  • das Zeigen oder Verteilen sexuell eindeutiger Zeichnungen oder Bilder;
  • Briefe, Notizen, E-Mails, Telefonanrufe, Nachrichten oder anderes Material sexueller Natur;
  • Menschen nach ihren physischen Eigenschaften (abwertend / beleidigend) zu bewerten;
  • sexuelle Kommentare über Kleidung, Anatomie oder das Aussehen einer Person;
  • Pfeifen oder Nachrufe;
  • sexuell suggestive Geräusche oder Gesten wie Saug-Geräusche, Zwinkern oder Beckenbodenstöße;
  • direkte oder indirekte Drohungen oder Bestechungsgelder / Ausgleichsangebote für unerwünschte sexuelle Handlungen;
  • wiederholtes Fragen nach Dates oder Sex;
  • Beschimpfungen wie „Schlampe“, „Hure“, "Nutte" oder „Flittchen“;
  • offensives Anstarren (z.B. der Brüste einer Frau oder des Gesäßes eines Mannes);
  • unerwünschte Fragen über das eigene Sexualleben / Intimität.

Das Wort „unerwünscht“ ist hierbei wichtig. Erheblich ist, wenn „das Opfer in seinem Empfinden nicht unerheblich beeinträchtigt“ wird. Das, was wir empfinden, ist wesentlich und darauf muss man achten. Wir dürfen da eben so individuell sein, wie überall im Leben. Manchen mag das Eine oder Andere belustige, bei einem anderen Menschen geht es nicht – und diese unsere Grenzen dürfen wir haben und in diesem Fall auch zu erkennen geben. Wir sind Individuen und haben ein Recht auf eigene Gefühle je nach unserem Typus.

Alles für sich zu behalten macht krank!

Das ist ganz sicher. Man darf Dinge klären und man muss es auch. Wichtig ist aber, wie man vorgeht. Im Betrieb ist es vielleicht schwer und manchmal scheint es auch unmöglich / wird allgemein zu sehr geduldet. Wichtig ist, dass man eine Beratung aufsucht und loswird, was einen belastet. In einem solchen psychologischen Beratungsgespräch muss man dann nicht gleich ein juristisches Vorgehen planen, sondern kümmert sich vor allem um die eigene Entlastung und Auflösung der Situation. Auch ein Personal Coach kann durch eine Begleitung in besonderen Lebenssituationen als Helfer / Mediator auftreten und helfen, die Situation zu klären. Natürlich muss man gegen grobe Vorfälle auch anders vorgehen.

Auch das eigene Verhalten überdenken!

Wichtig ist aber auch, dass man schaut, was man unternehmen kann, um Dinge gleich frühzeitig zu klären. Manche Menschen verstehen sehr freizügige Kleidung auch als Signal und manche sind sich vielleicht auch nicht dessen bewusst, was sie an Signalen senden. Es geht nicht darum, dass damit gesagt sein soll, dass der kurze Rock eine Einladung sein darf oder das Verhalten anderer Menschen entschuldigt – sondern darum, dass man sich dennoch bewusst macht, dass man sich vielleicht auch mal damit befasst, sich an bestimmte Umgebungen anzupassen. In der Sauna nackt zu sei  ist angemessen, in der Bücherei nicht. Das ist natürlich klar plakativ und übertrieben – aber etwas angepasster an die Umgebung zu sein mag auch vernünftig sein.

Wie gehe ich vor?

Es ist zu empfehlen, sich einfach einmal diskret und anonym beraten zu lassen und dann weiterzuschauen. Man kann sich auch telefonisch beraten lassen. Dabei darf man sich öffnen, ohne dass man gezwungen werden kann, gerichtlich vorzugehen, wenn man es nicht möchte – aber sich vielleicht auch ermutigen lassen. Es ist in jedem Fall wichtig, das Leben nicht zu ertragen – darum geht es niemals im Leben. Wir dürfen frei und glücklich sein.

Beleidigung, Erniedrigung und Herabsetzung sind Anzeichen unserer Zeit. Mobbing ist ein Thema für uns alle. Es hat schlimme Folgen für Körper und Seele – aber man kann dagegen vorgehen.

Beleidigung, Erniedrigung und Herabsetzung sind Anzeichen unserer Zeit. Mobbing ist ein Thema für uns alle. Es hat schlimme Folgen für Körper und Seele – aber man kann dagegen vorgehen.

Die 10 effektivsten Tipps gegen Mobbing


Was bedeutet Mobbing?

Die Definition von Mobbing ist grundsätzlich einfach: Alles das, was einen Übergriff oder eine Beleidigung darstellt ist Mobbing oder kann so gesehen werden. Wenn wir benachteiligt, angegriffen oder herabgesetzt werden, dann ist das ganz sicher niemals in Ordnung und wir müssen das nicht aushalten.

Es können Geräusche und Sinneswahrnehmungen sein, durch dir wir belästigt werden. Es geht aber auch direkter und deutlicher. Das macht aber keinen Unterschied.

Wo erleben wir Mobbing?

In allen Bereichen des Lebens. Privat, beruflich, im Verein und in allen Lebenslagen kann uns Mobbing begegnen. Schule, Kindergarten, Sport und Freizeit – Mobbing hat keine Grenzen. Je mehr wir auf das Umfeld angewiesen sind (Familie oder Arbeitsplatz beispielsweise), desto schlimmer die Auswirkungen.

Ist Mobbing strafbar?

Ja ist es. Natürlich dürfen wir Menschen nicht beleidigen. Es gibt hier auch Erlebnisse, die in den Bereich von Beleidigung und Nötigung fallen. Aber auch Mobbing an sich kann strafbar sein. Mobbing ist in einigen Fällen eine Körperverletzung.

Die Gewerkschaft Verdi sagt auf ihrer Internetseite: „Wenn Prävention allein nicht hilft und auch die betrieblichen Möglichkeiten ausgeschöpft sein sollten, können sich Mobbingopfer auch juristisch wehren. Schwere Mobbinghandlungen können strafbar sein. Körperverletzung (§223 StGB) (Sie liegt vor, wenn durch Mobbing jemand erkrankt und ein Arzt dies attestiert.)“

Die 10 effektivsten Tipps gegen Mobbing

  1. Gib klare Grenzen direkt zu erkennen.

Es braucht keine Steigerung. Wenn Dir etwas zu weit geht, dann musst Du es sofort klarstellen. Wartest Du zu lange, dann kann es zu spät sein und Du musst vielleicht schon viel mehr Energie aufwenden. Lass Dich nicht in die Ecke drängen und warte nicht zu lange.

  1. Führe Tagebuch über Vorfälle

Wenn Du der Überzeugung bist, ein Ereignis ist für Dich belastend oder könnte als Mobbing gesehen werden, dann zeichne alles auf, was geht. Detailinformationen (Datum, Uhrzeit, Bilder, Zeugen und andere wichtige Angaben) werden im Wiederholungsfall oder bei Verschlimmerung wichtig.

  1. Kläre wichtige Fakten bevor Du etwas unternimmst

Wenn Du ein offensichtliches Mobbing bemerkst, dann erkundige Dich, bevor Du eingreifst. Vielleicht hat der Kollege eine Behinderung bzw. lebt gerade in einer besonderen Diät und wird gar nicht ausgegrenzt. Sei nicht zu vorschnell und erhebe nicht zu früh Vorwürfe, ohne eine Klärung zu unternehmen.

  1. Nicht Gleiches mit Gleichem vergelten

Bleib sauber und versuche nicht, Dich mit Gegenwehr zu äußern. Du kannst sachlich bleiben und Argumente suchen. Sprich von Dir und Deinem Erleben, weise keine Schuld zu. Du darfst nicht das selbst verursachen, wogegen Du vorgehen möchtest. Es bringt nichts, gehört sich nicht und man schaukelt sich zu schnell hoch.

  1. Beschwerden sind wichtig

Beschwere Dich entsprechend, wenn eine erste Klärung nicht erstgenommen wird. Das geht in jedem Umfeld – beruflich wie privat. Natürlich muss man nicht gleich den größten Trumpf ausspielen, aber man kann – und sollte es auch im Wiederholungsfall. Aufgrund § 84 Abs.1 Satz 1 BetrVG / § 85 Abs.1 BetrVG (Betriebsverfassungsgesetz) kannst Du Dich bei Vorgesetzten, Arbeitgeber, Personalabteilung oder Betriebsrat beschweren.

  1. Timing ist wichtig

Wenn wir unseren Chef / den Vereinsvorsitzenden oder anderen Ansprechpartner ansprechen, dann sollten wir einen ruhigen Moment nutzen und dann auch selbst entspannt in das Gespräch gehen. Auch hier sollten wir sachlich bleiben. Sag dem Ansprechpartner auch das, was das für Dich bedeutet. Sprich von der Bedeutung für Dich und von Deiner Situation. Auch hier bitte nicht drohen und zu sehr Vorwürfe aus den Schilderungen machen.

  1. Versuche die Interessen des Gegenübers zu erkennen

Chefs, Vereinsvorstände und Kindergartenleiterinnen haben – wie alle Menschen – Interesse an einem entspannten Alltag. Wenn sie verstehen, wie sehr sie davon profitieren und was das Thema ist, dann kommt die Hilfe schneller.

  1. Sprich Dich aus und lasse Dich beraten

Nutze eine Beratung / ein Coaching, gehe zu einer Selbsthilfegruppe oder Beratungsstelle bzw. einem Ansprechpartner, der Dir helfen kann und zu dem Du Vertrauen besitzt wie Hausarzt oder Pfarrer.  Freunde und Bekannte sind oftmals die falsche Adresse.

  1. Bleibe hartnäckig

Wenn das erste Gespräch nichts bringt, dann versuche es noch einmal, gehe auf die nächsthöhere Ebene und suche Dir Unterstützung. Es ist wichtig, gegen Mobbing vorzugehen und sich Hilfe zu suchen. Zeugen und professionelle Begleitung sind wichtig.

  1. Zeige Zivilcourage

Schaue, dass Du nicht das Mobbing an Schwächere weitergibst, sondern distanziere Dich von Mobbern und Mobbing – zeige Zivilcourage und gehe gegen Mobbing in allen Fällen vor.